DLF- Toxische Männlichkeit

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Maren
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DLF- Toxische Männlichkeit

Beitrag von Maren »

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Betreff: Programmbeschwerde gegen den DLF-Kultur-Beitrag / Instagram-Post „Toxische Männlichkeit“ mit Soziologe Alexander Yendell (veröffentlicht 10./11. Mai 2026)

Sehr geehrter Herr Raue,

hiermit erheben wir förmliche Beschwerde gegen den Inhalt des DLF-Kultur-Instagram-Posts (https://www.instagram.com/p/DYKYtQOlh9K/) sowie des zugrundeliegenden redaktionellen Beitrags/Audios/Artikels zum Thema „Toxische Männlichkeit“ unter Einbeziehung des Soziologen Alexander Yendell.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/psychologie-toxische-maennlichkeit-narzissmus-frau-patriarchat-dominanz-meinung-100.html

Im beanstandeten Beitrag wird die These vertreten, „toxische Männlichkeit“ sei kein geschlechtsspezifisches Phänomen, sondern beruhe auf einer „narzisstischen Dynamik aus Dominanz, Abwertung und Angst“, die sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftrete. Als Beispiele für Frauen mit derartig „narzisstischen Dynamiken“ werden laut der begleitenden Berichterstattung und der zugehörigen visuellen Darstellung u. a. die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die AfD-Bundessprecherin Alice Weidel, die NSU-Terroristin Beate Zschäpe sowie Ghislaine Maxwell genannt.

Diese Darstellung verstößt aus folgenden Gründen gegen die journalistischen und rundfunkrechtlichen Sorgfaltspflichten:

1.) Die Verwendung des Begriffs „narzisstische Dynamiken“ als scheinbar fachliche Einordnung gegenüber lebenden Politikerinnen stellt eine unzulässige Ferndiagnose dar. Ferndiagnosen ohne persönliche Untersuchung, Anamnese und Einwilligung der Betroffenen sind in Psychiatrie und Psychologie ethisch fragwürdig und fachlich nicht haltbar. Alexander Yendell ist Soziologe – kein approbierter Klinischer Psychologe oder Psychiater. Die Redaktion präsentiert seine Aussagen dennoch als seriöse psychologische Expertise.

2.) Die namentliche Nennung demokratisch gewählter Politikerinnen (Meloni, Weidel) in einem Atemzug mit verurteilten bzw. angeklagten Schwerverbrecherinnen (Zschäpe, Maxwell) ist eine bewusste Diffamierung und Verunglimpfung. Eine derartige politische Instrumentalisierung und Gleichsetzung mit Straftätern dient nicht der sachlichen Information, sondern der politischen Stigmatisierung andersdenkender Positionen. Dies verletzt das Gebot der Ausgewogenheit und Unparteilichkeit gemäß § 11 Rundfunkstaatsvertrag, die Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes und widerspricht klar den Vorgaben des §6 (2) des DLF-Staatsvertrages, wonach in den Angeboten der Körperschaft die Würde des Menschen zu achten und zu schützen ist.

3. Der Beitrag präsentiert eine einseitige, ideologisch gefärbte Deutung, ohne Gegenstimmen oder kritische Einordnung und stellt damit einen klaren Verstoß gegen das Gebot der Objektivität und Pluralität dar. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist jedoch verpflichtet, die Meinungsvielfalt widerzuspiegeln und keine einseitige politische Agenda zu verfolgen.

Zudem: Die Geschichte kennt zahlreiche Beispiele machtbewusster Frauen, die in Dominanz, strategischer Härte und Machtsicherung männlichen Herrschern in nichts nachstanden – von Hatschepsut und Kleopatra über Wu Zetian und Katharina die Große bis hin zu Elisabeth I und Englands Eiserner Lady, Maggy Thatcher. Die einseitige Pathologisierung heutiger Politikerinnen als ‚narzisstisch‘ ignoriert diese offensichtliche Realität und dient allein der politischen Diffamierung oppositioneller Kräfte. Folgende Beispiele zeigen, dass Verhaltensweisen wie „Dominanz, Abwertung und Machtstreben“ insbesondere in aufstrebenden oder etablierten Machtpositionen universell menschlich sind.

Antike & Frühe Geschichte

• Hatschepsut (Ägypten, ca. 1479–1458 v. Chr.) Eine der erfolgreichsten Pharaonen überhaupt. Sie übernahm die Macht als Regentin, erklärte sich selbst zum Pharao, trug den traditionellen Männerbart in der Ikonographie und baute ein gigantisches Reich aus. Friedlich und wirtschaftlich stark – aber mit eiserner Hand gegen Rivalen.

• Kleopatra VII. (Ägypten, 69–30 v. Chr.) Meisterin der politischen Intrige, Allianzen und Machtsicherung. Sie eliminierte Geschwister-Rivalen, verbündete sich strategisch mit Caesar und Antonius und regierte ein Reich mit harter Hand.

• Tomyris (Massageten, ca. 6. Jh. v. Chr.) Die skythische Königin, die den Perserkönig Kyros II. (einen der mächtigsten Eroberer der Antike) in der Schlacht besiegte und tötete. Sie soll seinen Kopf in einem Blutbeutel versenkt haben – pure Rache und Dominanz.

Mittelalter & Frühe Neuzeit

• Olga von Kiew (Kiewer Rus, 10. Jh.) Regentin und später Heilige. Nach der Ermordung ihres Mannes ließ sie die Stadt der Täter niederbrennen (u. a. mit Tauben als Brandwaffen) und führte grausame Rachefeldzüge. Sie festigte die Macht der Rus mit eiserner Faust.

• Irene von Athen (Byzanz, 8. Jh.) Kaiserin, die ihren eigenen Sohn blendete, um die Alleinherrschaft zu sichern. Sie regierte das Byzantinische Reich mit brutaler Entschlossenheit.

• Wu Zetian (China, 624–705) Die einzige Frau, die je den Titel „Kaiser“ in China trug. Sie stieg von Konkubine zur Alleinherrscherin auf, eliminierte Rivalen (auch Familienmitglieder), führte Reformen durch und herrschte mit eiserner Hand über ein blühendes Reich.

• Elisabeth I. (England, 1533–1603): Die „Virgin Queen“ besiegte die spanische Armada, ließ Rivalin Maria Stuart hinrichten, führte ein straffes Regime und sicherte Englands Aufstieg zur Weltmacht. Harte Machtpolitik ohne Gnade.

• Maria I. „Bloody Mary“ (England, 1516–1558) Verbrannte Hunderte Protestanten auf dem Scheiterhaufen, um ihre Macht und den Katholizismus durchzusetzen – Symbol für gnadenlose religiös-politische Dominanz.

• Katharina die Große (Russland, 1729–1796) „Semiramis des Nordens“. Putschte ihren Ehemann vom Thron (er starb unter dubiosen Umständen), erweiterte Russland massiv, unterdrückte Aufstände brutal und modernisierte das Land – eine der mächtigsten und rücksichtslosesten Herrscherinnen Europas.

Neuzeit

• Indira Gandhi (Indien, 1966–1977, 1980–1984) "Iron Lady of India" (Eiserne Lady Indiens). Dominierte die indische Politik über Jahrzehnte als Premierministerin. Extrem zentralisierte Machtkonzentration, die im Erlass des nationalen Ausnahmezustands (1975–1977) gipfelte. Aussetzung von Bürgerrechten, Inhaftierung politischer Gegner und der erfolgreiche Krieg gegen Pakistan 1971.

• Golda Meir (Israel, 1969–1974) "Iron Lady" der israelischen Politik (von David Ben-Gurion als "einziger Mann im Kabinett" bezeichnet). Erste und bislang einzige Ministerpräsidentin Israels. Unbeugsame, pragmatische und oft unnachgiebige Außen- und Sicherheitspolitik. Autorisierung von gezielten Vergeltungsschlägen gegen Terroristen nach dem Olympia-Attentat 1972 und Führung des Landes während des Jom-Kippur-Krieges 1973.

• Margaret Thatcher (Großbritannien, 1979–1990) "The Iron Lady" (Die Eiserne Lady). Erste weibliche Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Radikaler Wirtschaftskurs (Thatcherismus), rücksichtslose Privatisierung und Zerschlagung der mächtigen Gewerkschaften. Kompromisslose Führung im Falklandkrieg 1982 und strikte Ablehnung der europäischen Integration.

• Park Geun-hye (Südkorea, 2013–2017) "The Ice Queen" (Die Eiskönigin). Erste weibliche Präsidentin Südkoreas und Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung-hee. Autoritärer Führungsstil, strikte Abschottung gegenüber Medien und kompromisslose Härte gegenüber Nordkorea. Regierte mittels eines engen, geheimnisvollen Beraterkreises, was letztlich zu ihrer Amtsenthebung wegen Korruption und Machtmissbrauchs führte.

Wir ersuchen Sie hiermit dringend, die Grundsätze sorgfältiger journalistischer Arbeit - insbesondere in der politischen Berichterstattung - im Sinne Ihres gesetzlichen Auftrages zu achten. Beiträge wie der Beanstandete tragen nicht dazu bei, die Zusammengehörigkeit im vereinigten Deutschland zu stärken oder gar von der Notwendigkeit eines bürgerfinanzierten Rundfunks zu überzeugen.

§ 11 (2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Aus Gründen der Transparenz werden wir diese Beschwerde sowie die Antwort der Programmverantwortlichen auf der Webseite des Vereins https://forum.publikumskonferenz.de/ veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Maren Müller
Vorsitzende Publikumskonferenz
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